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Öffnung des Carlsbahntunnels rückt näher

Carlsbahntunnel Klemens Kahle (Forstamt Reinhardshagen), Kai Georg Bachmann (Bürgermeister Trendelburg) und Vizelandrätin Susanne Selbert beim Unterschreiben des Gestattungsvertrages. (Von links nach rechts )

Trendelburg. "Wir haben einen weiteren Schritt zur Öffnung des Carlsbahntunnels absolviert", freut sich Vizelandrätin Susanne Selbert. Am 13. November hat der Kreisausschuss des Landkreises Kassel einem Gestattungsvertrag mit dem Landesbetrieb HESSEN-FORST zugestimmt, der dem Landkreis Kassel die nötige rechtliche Sicherheit für die zukünftige Nutzung gewährt. Selbert: "Damit können wir jetzt die weiteren Vorbereitungen zur Sanierung und zur Öffnung des rund 200 Meter langen Tunnels für Wanderer und Radfahrer einleiten".

Nachdem der Kreistag im September 2011 den Kreisausschuss beauftragt hatte, die notwendigen Maßnahmen zur Öffnung des Tunnels bei Trendelburg-Deisel anzugehen, waren zuerst die naturschutzrechtlichen Rahmenbedingungen zu klären. "Ein von uns in Auftrag gegebenes Artenschutzgutachten hat ergeben, dass naturschutzrechtlich eine saisonale Öffnung des Tunnels möglich ist", informiert die Vizelandrätin. Wie bei anderen für den Radverkehr genutzten ehemaligen Eisenbahntunneln in der Rhön und im Landkreis Marburg-Biedenkopf wird der Deiseler Tunnel im Winter geschlossen, um so seine Funktion als Winterquartier für seltene Fledermausarten zu erhalten. Die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Kassel hat die Ergebnisse dieses Gutachtens anerkannt.

Nicht aus der Welt zu schaffen sind die Probleme mit dem Flora-Fauna-Habitat-Gebiet im Anschluss an das südliche Tunnelportal. "Wir haben hier mit dem Regierungspräsidium und mit HESSEN-FORST verhandelt und als Ergebnis wird es einen kurzen Verbindungsweg zwischen dem Südportal und dem jetzigen Verlauf des Diemelradwegs geben".

"Wir haben als Stadt Trendelburg die naturschutzrechtliche Eingriffsgenehmigung für diesen Weg beantragt und auch erhalten", berichtet der Trendelburger Bürgermeister Kai Georg Bachmann. Diese Genehmigung liege vor und mit dem Bau könne nach der Unterzeichnung des Gestattungsvertrages begonnen werden.

Die Baumaßnahme selbst wird von der Arbeitsförderungsgesellschaft im Landkreis Kassel (AGiL) übernommen.

"Für uns war wichtig, dass wir als Landesbetrieb keine zusätzlichen Kosten und rechtliche Sicherheit über die Tunnelnutzung haben", verdeutlicht Dr. Norbert Teuwsen, Leiter des Forstamts Reinhardshagen. Die jetzt gefundene Lösung und die vertraglichen Vereinbarungen schafften Klarheit für alle Beteiligten. "Für uns war die Nutzungsgestattung wichtig, da wir damit gegenüber Fördergeldgebern nachweisen können, dass wir die Mittel auch wirklich einsetzen können und eine langfristige Sicherheit über die zukünftige Nutzung gegeben ist", ergänzt Vizelandrätin Selbert. Der Vertrag sei auf 25 Jahre abgeschlossen und könne danach verlängert werden.

Für die Öffnung des Tunnels fallen Kosten in Höhe von rund 495.000 Euro an. "Die Tunnelröhre muss verkehrssicher instandgesetzt werden", erläutert Selbert. Zur Finanzierung wurde ein Förderantrag im Rahmen des LEADER-Programms der Europäischen Union über 150.000 Euro gestellt und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz berät über einen weiteren Förderantrag in Höhe von 100.000 Euro. Weitere Förderanträge über je 100.000 Euro wurden beim Denkmalschutzsonderprogramm des Bundes und beim hessischen Landesamt für Denkmalpflege gestellt. Der Landkreis stellt Eigenmittel in Höhe von 45.000 Euro zur Verfügung. "Wir haben allen Förderbeteiligten das Projekt vorgestellt und wir sind hoffnungsvoll, dass unsere Bemühungen nicht umsonst sein werden", ist Selbert optimistisch, dass sich das Finanzierungskonzept als tragfähig erweisen wird. Entscheidungen über die finanzielle Förderung würden im Laufe des nächsten Jahres fallen.

Hintergrund:

Der Carlsbahntunnel wurde im Zuge des Baus der "Carlsbahn" von Hümme nach Karlshafen in den Jahren 1847 bis 1848 errichtet und diente dazu, eine Streckenführung durch die hochwassergefährdeten Flussauen des Diemeltals zu vermeiden. Die Namensgebung "Carlsbahn" erfolgte in Erinnerung an Landgraf Carl von Hessen (1654-1730) der die gescheiterte Kanalverbindung von Kassel nach Karlshafen plante.

Die Tunnelkonstruktion des ältesten Eisenbahntunnel Hessens und zweitältesten in ganz Deutschland wurde in Mischbauweise aus Ziegel- und Naturstein ausgeführt. Als Besonderheit ist die Tunnelhöhe von 6,00 Metern für die erste Lokomotive von "Henschel und Sohn" anzusehen. Der "Drache" als erste Lokomotive aus Kasseler Produktion ist der Urahne der Henschel-Lokomotiven und wurde unter der Fabrikats-Nummer 1 im Juli 1848 an die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn geliefert.

Die Bahnlinie und damit der Tunnel wurden zuerst mit zwei, später mit drei Zugpaaren pro Tag bedient. Die Stilllegung der Bahnstrecke erfolgte für den Personenverkehr 1966 und für den Güterverkehr 1970.

Der Tunnel liegt direkt am Hessischen Radfernweg 4 und dem Diemelradweg. Wegen der Tunnelsperrung führt die aktuelle Radroute auf rund 1,8 Kilometer in großem Bogen und mit beachtlicher Steigung westlich um den Kesselberg (dem Tunnelberg) herum. Eine direkte Linienführung durch den Tunnel erspart die Steigung und verkürzt die Strecke auf rund 800 Meter.

In den letzten Jahren wurde im Zuge des Eco-Pfades Diemel eine Hinweistafel am nördlichen Tunnelportal aufgestellt, 2010 wurde ein Weg vom Radweg zum Nordportal ermöglicht. Die beiden Tunnelportale wurden 2011 nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten saniert. Von der Nordseite sind die ersten zwanzig Meter des Tunnels für Besucher bereits zugänglich - der Rest der Tunnelröhre ist durch Gitter abgesperrt.




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