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Tunnel Deisel für Wanderer und Radfahrer offen – neue Tourismusattraktion an der Diemel

Auf dem Foto schneiden der Vorsitzende des Denkmalbeirats Hans Dieter Baller, Vizelandrätin Susanne Selbert und der Leiter des Servicezentrums Regionalentwicklung Peter Nissen das Band zur Eröffnung des Tunnels durch Auf dem Foto schneiden der Vorsitzende des Denkmalbeirats Hans Dieter Baller, Vizelandrätin Susanne Selbert und der Leiter des Servicezentrums Regionalentwicklung Peter Nissen das Band zur Eröffnung des Tunnels durch

Trendelburg/Landkreis Kassel.  „Die im Mai begonnenen  Sanierungsarbeiten und die Ertüchtigung des Tunnels ist planmäßig verlaufen und so können noch in der Wander- und Fahrradsaison 2014 den Carlsbahntunnel für Radfahrer  und Fußgänger öffnen“, freut sich Vizelandrätin Susanne Selbert bei der offiziellen Eröffnung des ältesten Eisenbahntunnel Hessens. Damit sei der Wunsch der Bevölkerung in der Nordspitze Hessens erfüllt und „eine neue Tourismusattraktion im Diemeltal geschaffen“, so Selbert weiter.
 
Der Öffnung des Tunnels für Radfahrer und Fußgänger war eine lange Überzeugungs- und Planungsphase vorausgegangen. Nachdem im Jahr 2011 die Tunnelportale saniert worden waren, wurde der Ruf immer lauter, den denkmalgeschützten rund 200 Meter langen Tunnel für die Bevölkerung und die Radtouristen erlebbar zu machen. Der Kreistag des Landkreises Kassel hatte im September 2011 den Kreisausschuss beauftragt, die notwendigen Maßnahmen zur Öffnung des Tunnels bei Trendelburg-Deisel anzugehen. Zuerst waren die naturschutzrechtlichen Rahmenbedingungen zu klären. „Ein von uns in Auftrag gegebenes Artenschutzgutachten hat dann ergeben, dass naturschutzrechtlich eine saisonale Öffnung des Tunnels möglich ist“, informiert die Vizelandrätin. Wie bei anderen für den Radverkehr genutzten ehemaligen Eisenbahntunneln in der Rhön und im Landkreis Marburg-Biedenkopf muss der Deiseler Tunnel im Winter geschlossen werden, um so seine Funktion als Winterquartier für seltene Fledermausarten zu erhalten. 
 
Der Landkreis hatte danach einen Gestattungsvertrag mit dem Landesbetrieb HESSEN-FORST abgeschlossen, der dem Landkreis Kassel die nötige rechtliche Sicherheit für die zukünftige Nutzung gewährt. Da die Probleme mit dem Flora-Fauna-Habitat-Gebiet im Anschluss an das südliche Tunnelportal nicht aus der Welt zu schaffen waren, wurde mit Regierungspräsidium Kassel und mit HESSEN-FORST verhandelt, um einen kurzen Verbindungsweg zwischen dem Südportal und dem jetzigen Verlauf des Diemelradwegs zu bauen, der im letzten Jahr fertiggestellt wurde.
 
Für die Öffnung des Tunnels fallen Kosten in Höhe von bis zu 495.000 Euro an. „Die verkehrssichere Instandsetzung der Tunnelröhre allein kostete inklusive Architektenleistung rund 320.000 Euro – weitere Kosten fielen für die Beleuchtung an“, erläutert Selbert. Ohne Drittmittel war die Tunnelöffnung daher nicht zu schultern: In die Finanzierung fließen Fördermittel des LEADER-Programms der Europäischen Union in Höhe von 133.637 Euro, sowie jeweils 125.000 Euro aus dem  Denkmalschutzsonderprogramm des Bundes und vom Hessischen Landesamt für Denkmalpflege ein. Weitere 50.000 Euro stellt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zur Verfügung. Der Landkreis selbst beteiligt sich mit Haushaltsmitteln in Höhe von 61.177 Euro. „Diese unterschiedlichen Finanzierungsquellen haben eines der spannendsten Tourismus- und Denkmalschutzprojekte im Landkreis Kassel ermöglicht“, stellt Selbert fest.
 
Hintergrund:
Der Carlsbahntunnel wurde im Zuge des Baus der „Carlsbahn“ von Hümme nach Karlshafen in den Jahren 1847 bis 1848 errichtet und diente dazu, eine Streckenführung durch die hochwassergefährdeten Flussauen des Diemeltals zu vermeiden. Die Namensgebung „Carlsbahn“ erfolgte in Erinnerung an Landgraf Carl von Hessen (1654-1730) der die gescheiterte Kanalverbindung von Kassel nach Karlshafen plante.
Die Tunnelkonstruktion des ältesten Eisenbahntunnel Hessens und zweitältesten in ganz Deutschland wurde in Mischbauweise aus Ziegel- und Naturstein ausgeführt. Als Besonderheit ist die Tunnelhöhe von 6,00 Metern für die erste Lokomotive von „Henschel und Sohn“ anzusehen.
Der „Drache“ als erste Lokomotive aus Kasseler Produktion ist der Urahne der Henschel-Lokomotiven und wurde unter der Fabrikats-Nummer 1 im Juli 1848 an die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn geliefert.
 
Die Bahnlinie und damit der Tunnel wurden zuerst mit zwei, später mit drei Zugpaaren pro Tag bedient. Die Stilllegung der Bahnstrecke erfolgte für den Personenverkehr 1966 und für den Güterverkehr 1970.
 
Der Tunnel liegt direkt am Hessischen Radfernweg 4 und dem Diemelradweg. Wegen der Tunnelsperrung führt die aktuelle Radroute auf rund 1,8 Kilometer in großem Bogen und mit beachtlicher Steigung westlich um den Kesselberg (dem Tunnelberg) herum. Eine direkte Linienführung durch den Tunnel erspart die Steigung und verkürzt die Strecke auf rund 800 Meter.
 
In den letzten Jahren wurde im Zuge des Eco-Pfades Diemel eine Hinweistafel am nördlichen Tunnelportal aufgestellt, 2010 wurde ein Weg vom Radweg zum Nordportal ermöglicht. Die beiden Tunnelportale wurden 2011 nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten saniert.

15.09.2014




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