Aus der Märchen und Sagenwelt

Die Weidelsburg -
von der hessischen Weibertreue

Mit der Vertreibung Reinhard von Dalwigk von der Weidelsburg ist die Sage von der hessischen Weibertreue verknüpft.
Hintergrund:
1431 wurde Reinhard von Dalwigk durch Mainz zum Amtmann der Burgen Naumburg und Weidfelsburg eingesetzt. Reinhard von Dalwigk war sehr fehdesüchtig . Das war dem hessischen Fürsten und auch den Mainzern ein Dorn im Auge. Als er jedoch im gesamten Gebiet mehrer Dörfer sowie das gräfliche Schloss in Gudensberg niederbrannte ergriff der Landgraf härtere Strafmaßnahmen indem 1448 die Weidelsburg belagert und Reinhard von Dalwigk verjagt wurde.

Als die Weidelsburg durch hessische und kurmainzer Truppen belagert war musste er einsehen das die Burg auf Dauer nicht zuhalten war. Der Landgraf verlangt das sich Reinhard von Dalwigk auf Gnade und Ungnade ergeben sollte. Da fasste Reihard´s Gattin den Entschluss den erzürnten Landgrafen umzustimmen. Furchtlos begab sich Agnes in das feindliche Lager. Sie tat einen Fußfall und bat um Gnade. Lange verharrte Ludwig in seinem Zorn, endlich jedoch vermochte er Ihren Bitten und Tränen nicht zu wiederstehen. „ Nun gut“ entschied er , „ da die Weiber unschuldig sind an dem Frevel, sollen sie Gnade finden. Ihr edle Frau, mögt eure Mägde und Jungfrauen zusammenrufen, euch selbst und sie mit dem Liebsten beladen, was ihr mitzunehmen wünscht. Es soll euch freier Abzug gestattet sein. Ich werde euch meinen Schutz angedeihen lassen. Alle Mannsbilder jedoch ist das Heruntersteigen untersagt, sie haben meinen ferneren Entscheid abzuwarten.“ Die mutige Frau entwarf sofort einen Plan, wie sie ihren Gatten retten könnte. Ihre Frauen und Mägde belud sie mit Ihren kostbaren Kleidern, Kleinodien und Wertgegenständen. Sie selbst wollte Ihren Mann auf den Rücken nehmen und hinabtragen. Reinhard sträubte sich da er den unbändigen Zorn des Landgrafen kannte. Agnes wendete ein: „ der Landgraf hat mir sein Ehrenwort gegeben, dass ich das Liebste, was ich habe, heruntertragen und in seinen Schutz stellen kann. Du wirst sehen, Ludwig wird sein Wort halten, wenn ich mich auf Kaiser Konrad berufe. Der hatte in Schwaben den Weibern vom Weinsberg dasselbe Versprechen gegeben, womit ihn diese überlistet haben. Ludwig wird an seinem Wort nicht deuteln lassen wie weiland Kaiser Konrad. Überdies hat er nur geboten, dass Mannspersonen nicht hinabsteigen dürfen, das tust du ja nicht, wenn ich dich trage.“ Dann zog das weibliche Geschlecht in langer Reihe aus der Weidelsburg, Agnes in der Mitte mit ihrem Gatten auf dem Rücken. Der Landgraf wollte zornig auffahren, da sein Wort so nicht gemeint gewesen sei. Agnes lies sich aber nicht einschüchtern, erinnerte an Kaiser Konrad und wies darauf hin, dass ihr Mann, den sie trage, ihr liebstes sei. Da war der Landgraf entwaffnet. Er verzieh, aber Reinhard musste auf einem Landtag erscheinen, fußfällig um Gnade ersuchen und endgültig auf die Weidelsburg verzichten.
Jens Paeplow

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