|
Aus
der Märchen und Sagenwelt
|
|
Die
Weidelsburg -
von der hessischen Weibertreue |
|
Mit der Vertreibung
Reinhard von Dalwigk von der Weidelsburg ist die Sage von der hessischen
Weibertreue verknüpft. |
| Als die Weidelsburg
durch hessische und kurmainzer Truppen belagert war musste er einsehen das
die Burg auf Dauer nicht zuhalten war. Der Landgraf verlangt das sich Reinhard
von Dalwigk auf Gnade und Ungnade ergeben sollte. Da fasste Reihard´s Gattin
den Entschluss den erzürnten Landgrafen umzustimmen. Furchtlos begab sich
Agnes in das feindliche Lager. Sie tat einen Fußfall und bat um Gnade. Lange
verharrte Ludwig in seinem Zorn, endlich jedoch vermochte er Ihren Bitten
und Tränen nicht zu wiederstehen. „ Nun gut“ entschied er , „ da die Weiber
unschuldig sind an dem Frevel, sollen sie Gnade finden. Ihr edle Frau, mögt
eure Mägde und Jungfrauen zusammenrufen, euch selbst und sie mit dem Liebsten
beladen, was ihr mitzunehmen wünscht. Es soll euch freier Abzug gestattet
sein. Ich werde euch meinen Schutz angedeihen lassen. Alle Mannsbilder jedoch
ist das Heruntersteigen untersagt, sie haben meinen ferneren Entscheid abzuwarten.“
Die mutige Frau entwarf sofort einen Plan, wie sie ihren Gatten retten könnte.
Ihre Frauen und Mägde belud sie mit Ihren kostbaren Kleidern, Kleinodien
und Wertgegenständen. Sie selbst wollte Ihren Mann auf den Rücken nehmen
und hinabtragen. Reinhard sträubte sich da er den unbändigen Zorn des Landgrafen
kannte. Agnes wendete ein: „ der Landgraf hat mir sein Ehrenwort gegeben,
dass ich das Liebste, was ich habe, heruntertragen und in seinen Schutz
stellen kann. Du wirst sehen, Ludwig wird sein Wort halten, wenn ich mich
auf Kaiser Konrad berufe. Der hatte in Schwaben den Weibern vom Weinsberg
dasselbe Versprechen gegeben, womit ihn diese überlistet haben. Ludwig wird
an seinem Wort nicht deuteln lassen wie weiland Kaiser Konrad. Überdies
hat er nur geboten, dass Mannspersonen nicht hinabsteigen dürfen, das tust
du ja nicht, wenn ich dich trage.“ Dann zog das weibliche Geschlecht in
langer Reihe aus der Weidelsburg, Agnes in der Mitte mit ihrem Gatten auf
dem Rücken. Der Landgraf wollte zornig auffahren, da sein Wort so nicht
gemeint gewesen sei. Agnes lies sich aber nicht einschüchtern, erinnerte
an Kaiser Konrad und wies darauf hin, dass ihr Mann, den sie trage, ihr
liebstes sei. Da war der Landgraf entwaffnet. Er verzieh, aber Reinhard
musste auf einem Landtag erscheinen, fußfällig um Gnade ersuchen und endgültig
auf die Weidelsburg verzichten. Jens Paeplow |