Die Gebrüder Jakob und Wilhelöm GrimmDas Märchenland der Brüder Grimm umfasst auch den Landkreis Kassel. Im Kreis gibt es rund 500 km² Wald, das ist mehr als ein Drittel der Gesamtfläche, und allein für eine Wanderung durch den Reinhardswald braucht man gut acht Stunden – die Pause im Dornröschenschloss Sababurg ist dabei noch gar nicht eingerechnet. Insgesamt umfasst der Kreis eine Fläche von knapp 1.300 km². Zum Kreis gehören 29 Städte und Gemeinden, Baunatal als größte Stadt hat mittlerweile 28.000 Einwohner, Nieste als die kleinste Gemeinde zählt 1.800 Menschen. Ihre jüngere Vergangenheit geht auf die Gebietsreform in den frühen 70er Jahren zurück, bei der sich die bis dahin selbständigen rund 100 Ortschaften zu ihrer heutigen Form zusammenschlossen.
Die Geschichte der Städte und Gemeinden reicht jedoch viel weiter, wie schon ein Blick auf deren historischen Fachwerkkerne zeigt. Wer ein Auge dafür hat, wird schnell eine Besonderheit entdecken: Nur wenige Kilometer nördlich von Kassel verändert sich die Fachwerkarchitektur, hier finden sich keine hessischen Bauten mehr, sondern niederdeutsche Häuser, die man durch die fast scheunentorgroße „Deele" betritt.
Es ist kein Zufall, dass die „Fachwerkgrenze" mitten im Landkreis mit der wichtigsten deutschen Sprachgrenze zusammenfällt, die die hochdeutschen von den niederdeutschen Mundarten trennt. Keine geringeren als die Brüder Grimm interessierten sich für die auffallenden Lautverschiebungen in den Dialekten die Grundlagen ihrer sprachwissenschaftlichen Arbeiten und damit der Germanistik entstanden genau hier.
Für Interessierte bietet das Brüder-Grimm-Museum im Kasseler Schloss Bellevue eine Fülle von anschaulichen Informationen auch dazu.
die Trendelburg
Bad Karlshafen Blick auf historische Gebäude rund um das Hafenbecken
Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel von Johann Heinrich Tischbein d.Ä.Östlich von Kassel befindet sich das Schlösschen Windhausen. Hier lebte der aus Preußen stammende Minister Martin Ernst von Schlieffen, der dem ebenso kunstbesessenen wie geldknappen Landgrafen Friedrich II als Berater diente.
Schlieffens Name ist eng verbunden mit der Geschichte der verkauften hessischen Soldaten, die auf der Seite der englischen Truppen die gegen die nach Unabhängigkeit strebenden Amerikaner unter Georg Washington kämpfen mussten. Von den 30.000 Soldaten, die ab 1776 nach Amerika geschickt werden, kommen 17.000 aus Hessen-Kassel und zum großen Teil sind es „Landeskinder". Erst im Jahr 1884 kehren die letzten von ihnen in die Heimat zurück. 3.000 waren auf den Schlachtfeldern gefallen und 10.000 in der Neuen Welt geblieben.
Einer der Rückkehrer ist der Dichter Johann Gotthold Seume, der als Student von Werbern zum Kriegsdienst gepresst worden war. In seiner Autobiographie „Mein Leben" erzählt er von diesen Erfahrungen. Später hat die Schriftstellerin Sandra Paretti die historischen Ereignissen zur Grundlage ihres Romans "Der Winter, der ein Sommer war" gemacht, der 1976 als mehrteiliger Fernsehfilm an den nordhessischen Schauplätzen verfilmt wurde.
Schloss Wilhelmstal (Gemeinde Calden)Schloss Wilhelmsthal gilt als das schönste Rokokoschloss nördlich des Mains. Das Schloss kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden, der Park ist frei zugänglich. Das Schlossgebäude besitzt noch die reiche historische Innenausstattung sowie Malereien von Johann Heinrich Tischbein. Wer es besucht, sollte nicht versäumen, einen Blick in die Silberkammer zu werfen, in der Hunderte von Zinnsoldaten in historisch sorgfältig gestalteten Dioramen die letzte Schlacht des Siebenjährigen Krieges nachstellen.
Etwa ein Dutzend Regionalmuseen erzählen die Geschichte des Alltags auf unterschiedliche Art und Weise. Sehenswert ist jedes von ihnen. Besonders erwähnt werden sollen hier nur die jüdische Abteilung des Stadtmuseums Hofgeismar und das Währungsmuseum in Fuldatal-Rothwesten, ein Ort, der nicht nur die Geschichte der DM erzählt, sondern der auch eng damit verbunden ist.
Und immer wieder begegnet man den Brüdern Grimm. Und das nicht nur auf dem 1000-Mark-Schein in Rothwesten. Manchmal braucht es ein wenig Phantasie und manchmal ist es ein Originalschauplatz wie die Dorothea-Viehmann-Stube in der Knallhütte bei Baunatal, wo Jakob und Wilhelm der Märchenerzählerin zuhörten. Und auch in der Kunst finden sich die Grimms wieder wie im Schauenburger Ortsteil Breitenbach, wo der Künstler Adi Schindehütte die Märchenwache gestaltete.
Wolfhager Kulturzelt