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Landkreis vermittelt Kunst an das Klostermuseum

Ein Sammlerehepaar aus Bayern hat dem Kultur- und Geschichtsverein Bad Emstal zwei Mappen mit Werken der Malerin Gisela Petschner geschenkt

Bad Emstal / Landkreis Kassel. Zwei Mappen mit Monotypien der Malerin Gisela Petschner ergänzen seit neuestem die Sammlung des Klostermuseums in Merxhausen. Zu verdanken ist dies einer Schenkung von Elisabeth und Kurt Motschenbacher aus dem oberbayrischen Ebersberg.     

Wilburg Kleff (links), zuständig für Kulturförderung beim Landkreis Kassel, übergab die Monotypien an Jens Siegmann, aus dem Vorstand des Kultur- und Geschichtsvereins Bad Emstal.

Das Ehepaar hat sich altersbedingt dazu entschlossen, Teile seiner Kunstsammlung abzugeben. Auf der Suche nach einer geeigneten neuen Heimat für die speziellen Druckgrafiken von Petschner, stießen sie auf den Landkreis Kassel, den Heimatkreis der Künstlerin, die bis zu ihrem Tod 2007 in Wolfhagen lebte. Die Landkreismitarbeiterin Wilburg Kleff, zuständig für Kulturförderung, machte das kunstsinnige Ehepaar auf das Klostermuseum in Merxhausen aufmerksam. Dort besitzt man bereits einige Werke der Malerin, da Petschner für einige Jahre eine therapeutische Malgruppe im Psychiatrischen Krankenhaus in der historischen Klosteranlage betreute und dort auch einige Modelle für ihre Zeichnungen fand. 

Petschners Ruf als Künstlerin und „Malerin der Alten und Kranken“ beschränkt sich nicht nur auf Nordhessen, sondern reicht weit darüber hinaus. Ihre Werke sind Teil der Medizingeschichte und hängen im Deutschen Medizinhistorischen Museum in Ingolstadt und sind Teil der Sammlung Prinzhorn im Heidelberger Museum für historische Werke aus psychiatrischen Anstalten. Auch das Klostermuseum widmete ihr bereits eine Ausstellung.

Gisela Petschner. Ihre Werke sind Teil der Medizingeschichte und hängen im Deutschen Medizinhistorischen Museum in Ingolstadt und sind Teil der Sammlung Prinzhorn im Heidelberger Museum für historische Werke aus psychiatrischen Anstalten.

Im Klostermuseum freut man sich über die Schenkung. Plant man dort doch bereits weitere Ausstellungen mit den Werken Petschners. „Gerne hätten wir das Ehepaar Motschenbacher persönlich bei uns begrüßt“, so Jens Siegmann, aus dem Vorstand des Kultur- und Geschichtsvereins Bad Emstal. Doch die Corona-Pandemie machte allen Beteiligten einen Strich durch die Rechnung. Die Zeichnungen gingen per Post auf die Reise nach Nordhessen. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Sobald es die Umstände zulassen, werden wir gerne nach Nordhessen kommen, kündigten die Kunstsammler bereits an.    

Wer war Gisela Petschner?

Gisela Petschner wird am 18. April 1913 geboren und wächst im böhmischen Saaz auf. 20-jährig geht sie an die Kunstschule in Dresden um Malerin zu werden. Nach Kriegsende wird ihre Familie aus Böhmen vertrieben. Sie selbst reist über die Schweiz nach Italien, wo sie ihre Kunststudien zunächst fortsetzt.

In Rom erkrankt Gisela Petscher an Polio (Kinderlähmung) und verbringt eineinhalb Jahre in einer Klinik. Die Kranken und Alten, denen sie hier begegnet, werden ihre Modelle und bestimmten fortan ihr künstlerisches Lebenswerk.

Nach einem zweijährigen Erholungsaufenthalt in einem Kloster, zieht sie 1952 nach Wolfhagen und übernimmt später die Leitung einer therapeutischen Malgruppe im Psychiatrischen Krankenhaus in Bad Emstal-Merxhausen.

Trotz der von ihrer Erkrankung zurückgebliebenen Behinderung, lässt die künstlerische Kraft von Gisela Petschner bis ins hohe Alter nicht nach. Zuletzt lebt sie im Altenheim Karlsstraße in Wolfhagen, wo sie 2007 mit 94 Jahren verstirbt.  

In Würdigung ihrer Lebensleistung wurde Gisela Petschner posthum aufgenommen in die Kartenserie „29 plus eine – FrauenLebensorte im Landkreis Kassel“. Zu sehen unter  www.landkreiskassel.de/29-plus-eine

Selbstportrait Petschners, Tuschezeichnung von 1974