Seit 2019 erinnern Stolpersteine in Meimbressen an das Schicksal der Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert oder vertrieben wurden. Etwa 70 Menschen jüdischen Glaubens haben bis Anfang 1933 in Meimbressen gelebt. Der Verein „Judaica in Meimbressen“ setzt sich dafür ein, dass die Erinnerung an die Schicksale dieser Menschen aufrechterhalten wird und hat nun 25 weitere Stolpersteine in dem Caldener Ortsteil verlegt. Die Kulturstiftung des Landkreises Kassel fördert die Verlegung der Gedenksteine mit insgesamt 1.490 Euro.
„Die „Stolpersteinverlegungen“ sind besonders unterstützenswert – gerade vor dem Hintergrund der gesamtpolitischen Lage“, sagt der Kreistagsvorsitzende Andreas Güttler, „wir haben eine historische Verantwortung zu tragen – daraus ergibt sich für mich die Verpflichtung, dass man sich mit dem Geschehenen auseinandersetzt und es als Mahnung für unser Handeln in der Gegenwart und in der Zukunft begreift.“
Heinrich Neutze, Vorsitzender des Meimbressener Vereins, ergänzt: „Es sind ganz konkrete Menschen, die im Mittelpunkt unserer Gedenkarbeit stehen: Diejenigen, die damals willkürlich und gewaltsam aus unserer Dorfgemeinschaft ausgestoßen wurden. Ihre Namen holen wir symbolisch durch die Stolpersteine zurück in unsere Mitte. Und dann ihre Nachkommen, die über die halbe Welt verteilt leben. Ihnen wollen wir zeigen, dass das Schicksal ihrer Vorfahren in deren alter Heimat nicht vergessen ist. Und schließlich wir, die Nachgeborenen. Wir erinnern uns und andere an die Unmenschlichkeit er 1930er Jahre, damit wir heute erkennen, wo wir bei Antisemitismus, Ausgrenzung von Minderheiten und Isrealhass laut unsere Stimme dagegen erheben müssen.“
Die Steine wurden an vier Stellen im Ort vor den ehemaligen Wohnhäusern der betroffenen Frauen, Männer und Kinder verlegt. Jeder Stolperstein nennt den Namen und das Geburtsjahr der konkreten Person, die in Meimbressen gelebt hat und benennt auch deren Schicksal.
Auszeichnung für Heinrich Neutze
Im Rahmen der Veranstaltung wurde Heinrich Neutze mit dem Ehrenschild des Landkreises Kassel in Bronze ausgezeichnet. Neutze engagiert sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich in verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens in Meimbressen. Seit 1972 ist er Vorstandsmitglied im Musikverein Harmonie Meimbressen. Auch in der Evangelischen Kirchengemeinde Meimbressen ist er seit vielen Jahren aktiv, unter anderem als Kirchenvorsteher und als Mitglied der Kreissynode der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen und Waldeck. Im Verein „Judaica in Meimbressen“ ist Neutze Gründungs- und Vorstandsmitglied.
„Das ehrenamtliche Engagement von Heinrich Neutze ist ein herausragendes Beispiel für Tätigkeiten, die weit über das Lokale hinaus wirken“, würdigte Kreistagsvorsitzender Andreas Güttler den Geehrten.
Zur Stolpersteinverlegung waren mehrere Angehörige und Nachfahren der drei Familien Goldwein, Loewenstein und Frankenberg aus Israel sowie Interessierte aus der Region anwesend. Begleitet wurde die Veranstaltung in Form von Lesungen durch zwei Abschlussklassen der Heinrich-Grupe-Schule Grebenstein.