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„Feldwege und Säume zum Blühen bringen“

Endlich Sommer! In dieser Jahreszeit können Feldwege und Säume nicht nur Spaziergänger, sondern vor allem auch heimische Insekten erfreuen. Bekannt ist inzwischen die Gefährdung dieses zwar flächenmäßig kleinen, aber doch sehr bedeutenden Lebensraums. Denn die wilde Blütenpracht aus Rainfarn, Wegwarte, Margeriten, wilder Karde und vielen anderen Pflanzen ist vielerorts sehr selten geworden. Das soll sich im Raum Kassel mittelfristig ändern.

Auf dem Foto sieht man von links nach rechts Kai-Georg Bachmann (Geschäftsführer Zweckverband Raum Kassel), Andreas Siebert (Erster Kreisbeigeordneter) und Dr. Claus Neubeck (Zweckverband Raum Kassel).

Diese Woche erscheint eine Broschüre mit "Empfehlungen zur Nutzung und Pflege der Feldwege und Säume". Herausgeber sind der Zweckverband Raum Kassel, der Landkreis Kassel sowie der Zweckverband Naturpark Habichtswald.

Die Broschüre gibt Empfehlungen zur Pflege der (noch) vorhandenen Säume und Feldwege, die – fachgerecht und schonend durchgeführt – eine wichtige Rolle bei Schutz und Förderung der bedrohten Artenvielfalt in der offenen Kulturlandschaft spielen können. Zum einen sind sie unersetzlich für die Biotopvernetzung, zum andern bieten diese linearen Landschaftsstrukturen oftmals die letzten Rückzugsräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Auch für die Naherholung – und somit die Attraktivität für den Tourismus - spielen vielfältige und blütenreiche Säume eine wichtige Rolle.

Die Broschüre wurde in Anlehnung an ein vielbeachtetes, 2018 vom Landkreis Gießen erarbeitetes Positionspapier erarbeitet. In Abstimmung mit Vertretern der Landwirtschaft, des Naturschutzes, der Jagd und der Wanderer konnte eine Broschüre entstehen, die an die Gegebenheiten und Bedürfnisse des nordhessischen Raumes angepasst wurde.

Die Broschüre knüpft mit jeweils kurzen nutzerspezifischen Erläuterungen und Vorschlägen an die unterschiedlichen Bedürfnisse und Erwartungen der betroffenen Interessensgruppen an um alle Feldwege-Nutzer in die Thematik aktiv einzubinden. Sie trägt dazu bei, dass alle Akteure ein gegenseitiges Verständnis für die mitunter sehr unterschiedlichen Anforderungen und Vorstellungen an die Nutzung und Pflege der Feldwege und Säume entwickeln. Ihre Vorschläge bezüglich Nutzung und Pflege dienen dazu, konstruktiv ein gemeinsames Ziel zu verfolgen.

Erhältlich ist das Heft "Empfehlungen zur Nutzung und Pflege der Feldwege und Säume" in den kommunalen Verwaltungen der ZRK Mitgliedsgemeinden (Kassel, Calden, Ahnatal, Vellmar, Fuldatal, Niestetal, Kaufungen, Lohfelden, Fuldabrück, Baunatal, Schauenburg), den Dienststellen des Landkreises, dem Naturparkzentrum Habichtswald auf dem Dörnberg sowie in der Geschäftsstelle des ZRK am Ständeplatz 13.

Wir hoffen, diese Broschüre regt Sie zu vielfältigen Aktivitäten an und führt zu nachahmenswerten Beiträgen zum Schutz der Artenvielfalt unserer Kulturlandschaft!

Hintergrund

Die biologische Vielfalt - auch als Biodiversität bezeichnet - umfasst die Vielfalt des Lebens auf der Erde. Dazu zählt die Vielfalt innerhalb der Arten, zwischen den Arten sowie deren Beziehungen zu den verschiedenen Lebensräumen. Sie ist die Voraussetzung für unser Leben in einer intakten Umwelt. Dieser Vielfalt verdanken wir Gesundheit, Nahrung, Rohstoffe und weitere lebenswichtige Leistungen der Ökosysteme. Seit Jahrzehnten wird weltweit ein drastischer Rückgang der biologischen Vielfalt beobachtet. Um diesem entgegenzuwirken hat sich die internationale Staatengemeinschaft (in Rio de Janeiro) bereits 1992 verpflichtet, die Biodiversität zu schützen und für nachkommende Generationen zu erhalten.

Im Mai 2019 hat der erste Globale Zustandsbericht des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) einmal mehr auf die alarmierende Situation hingewiesen: Demnach sind rund eine Million Arten in den kommenden Jahren und Jahrzehnten vom Aussterben bedroht, viele drohen bereits in den kommenden Jahrzehnten zu verschwinden – allein der Verlust von Bestäuberinsekten beispielsweise hat ungeahnte Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion. Der Mensch droht als Verursacher des sechsten Massensterbens in die Geschichte einzugehen.

Der IPBES ist das Pendant zum Weltklimarat IPCC, dessen Berichte Wegbereiter für das Pariser Klimaschutzabkommen waren. Der IPBES-Bericht hat also genau dieselbe Bedeutung wie der Bericht zum Zustand des Klimas. Alle 132 Mitgliedstaaten haben im Mai in Paris ihre Unterschrift unter den Bericht gesetzt.

Die Hessische Biodiversitätsstrategie verfolgt seit 2013 eine umfassende Förderung zum Erhalt der Biologischen Vielfalt. Dieses Ziel lässt sich bis auf jede Gemarkung herunterbrechen. In dieser kleinräumigen Betrachtung sind auch die Feldwege und Säume von besonderer Bedeutung.

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